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"Für uns geht es ums Überleben"

Brustkrebszentrum Hameln 14.2011.jpg

Auf dem Foto von li. Gisela Hölscher, Petra Tiemann, Dr. Bernhard Specker und Gabriele Lösekrug-Möller

25. November 2011 0 Kommentare

Hameln-Pyrmont (md). „Brustzentrum Hameln – Perspektiven und Probleme“ so das Thema des Fachgesprächs, zu dem die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller eingeladen hatte.

Über 30 Jahre lang waren Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge im Brustzentrum möglich gewesen. Seit Anfang des Jahres sind die Behandlungen eingeschränkt. Grund dafür sind zwei niedergelassene Ärzte, die Widerspruch gegen die sogenannte Ermächtigung der spezialisierten Klinikärzte eingelegt haben. „Das heißt, dass von 4000 Mammografien pro Quartal nur noch 400 möglich sind“, erläuterte Gisela Hölscher von der Patienteninitiative (PI) Hameln-Pyrmont.

Für die über 3000 restlichen Frauen gebe es in Hameln nur zwei Radiologen. Einen Anspruch auf Früherkennung und Nachsorge in der Klinik hätten nur noch Privat- und AOK-Patientinnen. Andrea Hahne, ebenfalls von der PI, beschrieb die Situation: „Momentan warten Frauen entweder bis zu acht Monate lang auf einen Mammografie-Termin, weichen in andere Städte aus, bezahlen selbst, wenn sie es sich leisten können, oder gehen gar nicht mehr zur Früherkennung und Nachsorge.“ Aus Sicht der PI müssten Klinik und niedergelassene Ärzte vor Ort „endlich mit dem Konkurrenzgebaren aufhören und gemeinsam an Lösungen für die Patienten arbeiten“, forderte Hahne, die seit 2005 selbst Brustkrebs-Patientin ist, Betroffene begleitet und berät sowie Patientenvertreterin in der Zertifizierungskommission Brustzentren ist: „Für die geht es ums Geld, für uns geht es ums Überleben.“

Die Versorgungsqualität habe sich „drastisch zum Nachteil der Betroffenen verändert“, sagte Hölscher. Deshalb fordere die PI uneingeschränkte Arztwahl für Kassenpatienten – unabhängig davon, ob der Arzt des Vertrauens an einer Klinik oder in einer Praxis tätig sei. 13 000 Unterschriften seien bereits gesammelt. „Der Patient darf nicht auf der Strecke bleiben“, so Hölscher.

Den Einsatz der PI lobte Petra Thiemann, Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Soziales im niedersächsischen Landtag. An zwei weiteren Brustzentren Niedersachsens bestehe eine ähnliche Situation, „doch nirgendwo ist der Protest so laut und hörbar wie in Hameln“. Bei einer schweren Erkrankung wie Brustkrebs sollte die Patientin selbst bestimmen können, wer mit ihr umgehe. Das Grundproblem seien die beiden sogenannten Parallelwelten Ambulanz und Station.

Nicht nur Frauen waren am Fachgespräch beteiligt, auch etwa 20 Männer diskutierten mit. Einer von ihnen war Landrat Rüdiger Butte. Er habe bereits dem Gesundheitsminister geschrieben, doch dieser habe geantwortet, dass nichts geändert werde, berichtete er. „Es ist ein bundesweites Problem, das auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird“, bestätigte Dr. Carola Reimann, Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit im Deutschen Bundestag. Ein Kooperationsvertrag sei in Hameln das Beste, schlug Reimann vor: „Wenn die AOK in der Lage ist, mit dem Brustzentrum einen Vertrag abzuschließen, dann müsste das auch für andere Krankenkassen möglich sein.“

Das Brustzentrum arbeite auf der Grundlage einer persönlichen Ermächtigung, erläuterte Dr. Bernhard Specker, Geschäftsführer der Bezirksstelle Hannover der kassenärztlichen Vereinigung (KV) Niedersachsen. Die KV sei lediglich beteiligt, zu entscheiden hätten aber jeweils gleichberechtigt Krankenkassen und Ärzte. Eine Lizenz zur Nachsorge im Brustzentrum habe es auch in der Vergangenheit nie gegeben. „Dass Sie gern alles aus einer Hand hätten, kann ich nachvollziehen“, sagte Specker. Jedoch sei das Brustzentrum nicht dazu ermächtigt und könne dazu auch nicht ermächtigt werden. Eine freie Arztwahl sei „gesetzlich leider nicht vorgesehen und ist tatsächlich eine Einschränkung“, merkte Specker an. Thiemann bot folgende Lösung an: „Wir sollten die Zertifizierung eines Brustzentrums splitten, so dass wir zwei Standorte haben, also einmal in der Klinik und in einer anderen Straße.“ Abschließend versicherte Gabriele Lösekrug-Möller ihren Gesprächspartnern: „Wir tragen den Impuls der Patienteninitiative nach Berlin, damit bundespolitisch etwas passiert.“
 

Deister- und Weserzeitung vom 14.11.2011


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